DORA-Glossar
Die wichtigsten Fachbegriffe rund um DORA — von Art. 28 bis TPRA, verständlich erklärt.
A
Art. 28 — Register of Information
Verpflichtet Finanzunternehmen, ein vollständiges Verzeichnis aller ICT-Dienstleistungsvereinbarungen zu führen und auf Anfrage der Aufsichtsbehörde vorzulegen.
Art. 29 — Bewertung und Überwachung
Regelt die laufende Bewertung und Überwachung von ICT-Drittanbietern, einschließlich Risikobewertung vor Vertragsschluss und während der Vertragslaufzeit.
Art. 30 — Vertragliche Anforderungen
Definiert 10 Mindestanforderungen an Verträge mit ICT-Dienstleistern (Audit-Rechte, Exit-Klauseln, Sicherheitsmaßnahmen etc.).
AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag)
Vertrag nach Art. 28 DSGVO, der die Verarbeitung personenbezogener Daten durch einen Auftragsverarbeiter regelt. Ergänzt den ICT-Vertrag, ersetzt aber nicht die DORA-Anforderungen.
C
CPS (Control Performance Score)
Kennzahl zur Bewertung, wie effektiv ein ICT-Dienstleister seine Risiken managt. Teil des quantitativen TPRA-Scorings.
CSP (Critical or Important Function Supporting Provider)
Dienstleister, der eine kritische oder wichtige Funktion unterstützt. Unterliegt verschärften Anforderungen nach DORA.
D
DORA (Digital Operational Resilience Act)
EU-Verordnung 2022/2554 zur Stärkung der digitalen operationellen Resilienz im Finanzsektor. Gilt seit 17. Januar 2025 unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten.
E
EBA (European Banking Authority)
Europäische Bankenaufsichtsbehörde. Definiert u.a. das Format für das Register of Information (RoI), das Institute an die nationale Aufsicht melden müssen.
Exit-Strategie
Dokumentierter Plan für den geordneten Übergang von einem ICT-Dienstleister zu einem anderen — oder die Rückholung der Dienste ins eigene Haus. Pflichtinhalt jedes ICT-Vertrags nach Art. 30.
G
GLEIF (Global Legal Entity Identifier Foundation)
Organisation, die das LEI-System verwaltet. Der LEI-Code ist der eindeutige Identifikator für Rechtsträger im RoI.
I
ICT (Information and Communication Technology)
Oberbegriff für alle informations- und kommunikationstechnischen Systeme und Dienste, die ein Finanzunternehmen nutzt.
IRP (Inherent Risk Profile)
Grundrisiko eines ICT-Dienstleisters basierend auf Faktoren wie Datentyp, Kritikalität der unterstützten Funktion und Standort der Datenverarbeitung.
K
Konzentrationsrisiko
Risiko, das entsteht, wenn mehrere kritische Funktionen von demselben ICT-Dienstleister oder derselben Infrastruktur abhängen.
Kritikalitätsbewertung
Systematische Klassifizierung aller ICT-Systeme und -Dienste nach ihrer Bedeutung für die Geschäftskontinuität.
L
LEI (Legal Entity Identifier)
20-stelliger alphanumerischer Code zur eindeutigen Identifikation von Rechtsträgern. Pflichtfeld im Register of Information.
R
RoI (Register of Information)
Strukturiertes Verzeichnis aller ICT-Dienstleistungsvereinbarungen nach Art. 28 DORA. Muss im EBA-Format exportierbar sein.
RRS (Residual Risk Score)
Verbleibendes Risiko eines ICT-Dienstleisters nach Berücksichtigung seiner Kontrollmaßnahmen. Berechnet sich aus IRP und CPS.
S
Sub-Outsourcing
Weitervergabe von ICT-Dienstleistungen durch den direkten Dienstleister an Subunternehmer. DORA verlangt Transparenz über die gesamte Lieferkette.
Supply-Chain-Transparenz
Überblick über die vollständige Kette von ICT-Dienstleistern und deren Subunternehmern (N-Tier-Transparenz).
T
TLPT (Threat-Led Penetration Testing)
Erweiterte Penetrationstests, die reale Bedrohungsszenarien simulieren. Nur für größere Institute verpflichtend, die von der Aufsicht dazu bestimmt werden.
TPRA (Third-Party Risk Assessment)
Systematische Risikobewertung von ICT-Drittanbietern. DORA verlangt eine quantitative Bewertung — nicht nur qualitative Einschätzungen.