Excel vs. GRC-Tool vs. DORA-Spezialsoftware

Welches Werkzeug passt zu Ihrem Institut? Ein ehrlicher Vergleich der drei Ansätze für DORA-Compliance.

Die drei Wege zur DORA-Compliance

Die meisten kleinen Finanzinstitute stehen vor der Frage: Wie setzen wir DORA um? In der Praxis gibt es drei Ansätze — mit sehr unterschiedlichen Trade-offs.

1. Excel + manuelle Prozesse

Der Status Quo bei 80% der kleinen Institute.

Vorteile

  • Keine zusätzlichen Kosten
  • Bekanntes Tool, kein Schulungsaufwand
  • Volle Kontrolle über die Struktur

Nachteile

  • Keine Validierung: Tippfehler im LEI-Code, fehlende Pflichtfelder — Excel sagt nichts
  • Kein Audit-Trail: Wer hat wann was geändert? Nicht nachvollziehbar
  • Kein EBA-Format-Export: Manuelles Zusammenkopieren dauert Wochen
  • Keine Verknüpfungen: Partner, Verträge, ICT-Systeme leben in separaten Tabellen
  • Skalierung: Bei 10 Providern machbar. Bei 50+ ein Vollzeitjob

Geeignet für

Institute, die gerade erst anfangen und den Umfang ihrer ICT-Landschaft verstehen wollen. Als Einstieg ok — als Dauerlösung nicht prüfungssicher.

2. Enterprise GRC-Plattformen

ServiceNow, OneTrust, Archer, SAP GRC und Co.

Vorteile

  • Umfassende Plattformen für das gesamte Risikomanagement
  • Etabliert bei großen Instituten und Prüfern
  • Breite Integrationen

Nachteile

  • Kosten: EUR 50.000-250.000+ pro Jahr — oft mehr als das gesamte Compliance-Budget kleiner Institute
  • Komplexität: 6-12 Monate Implementierung mit externen Beratern
  • Überdimensioniert: 90% der Features werden nie genutzt
  • Nicht DORA-spezifisch: DORA-Module sind oft nachträglich ergänzt und nicht nahtlos integriert

Geeignet für

Große Institute mit dedizierten GRC-Teams und sechsstelligen Tool-Budgets.

3. DORA-Spezialsoftware

Zweckgebaut für DORA-Anforderungen.

Vorteile

  • Fokussiert: Genau die Features, die DORA verlangt — nicht mehr, nicht weniger
  • Schneller Start: Stunden statt Monate für die Einrichtung
  • Bezahlbar: Für kleine Institute konzipiert
  • DORA-nativ: EBA-Format, Art. 30 Klauseln, Risikoscoring — alles eingebaut
  • AI-gestützt: Automatisierung dort, wo manuelle Arbeit dominiert (Vertragsanalyse, Datenextraktion)

Nachteile

  • Spezialisiert: Deckt nur DORA ab, nicht das gesamte GRC-Spektrum
  • Junger Markt: Weniger Referenzkunden als Enterprise-Plattformen

Geeignet für

Kleine und mittlere Finanzinstitute, die DORA-Compliance effizient umsetzen wollen, ohne ein Enterprise-Tool zu betreiben.

Vergleichsmatrix

KriteriumExcelEnterprise GRCSpezialsoftware
Kosten/Jahr~0EUR 50.000+EUR 1.200-6.000
EinrichtungSofort6-12 MonateStunden
EBA-ExportManuell (Wochen)Konfigurierbar1 Klick
Art. 30 PrüfungManuell (Tage/Vertrag)TeilautomatisiertAI-automatisiert
RisikoscoringSelbstgebautKonfigurierbarEingebaut (TPRA)
Audit-TrailKeinerVollständigVollständig
Skalierung (50+ Provider)KritischKein ProblemKein Problem
LernkurveNiedrigHochNiedrig

Meine ehrliche Empfehlung

Nach dem Aufbau einer regulierten Bank und der Implementierung aller DORA-Anforderungen: Excel war mein Startpunkt — und mein größter Schmerzpunkt.

Die richtige Wahl hängt von drei Faktoren ab:

  1. Wie viele ICT-Dienstleister? Unter 10: Excel reicht vorerst. Über 20: Sie brauchen ein Tool.
  2. Budget? Unter EUR 500/Monat: Spezialsoftware. Über EUR 5.000/Monat: Enterprise GRC ist eine Option.
  3. Timeline? Wenn die nächste Prüfung in 3 Monaten kommt, ist ein 12-Monats-Implementierungsprojekt keine Option.

Für die meisten kleinen Institute ist die Antwort: Pragmatisch starten, nicht perfekt. Lieber morgen mit einem fokussierten Tool compliant als in 18 Monaten mit einer Enterprise-Plattform.

Nächste Schritte